| Dienstag, 29. Oktober |
| Als wir auf der S23 bei Fenestrelle ankommen, biegen wir Richtung Sestriere
ab und fahren bis Cesana Torinese, wo wir dann auf die S24 Richtung Oulx
stossen. Wir wollen versuchen, einen Campingplatz bei Salbertrand zu finden
und hoffen, dort vielleicht auch eine Hütte mieten zu können
wie in Breil. Schließlich sind wir jetzt auch schon ein bisschen
verwöhnt, Volker sei Dank!
Es ist inzwischen dunkel geworden und die angezeigte Temperatur bei einer Apotheke liegt gerade bei 4 Grad. So richtig Lust auf Zelten hat man da nicht mehr unbedingt. Es kommt, wie es kommen muss, auf keinem der von uns angefahrenen Campingplätze stehen Hütten zur Verfügung. So machen wir uns auf den Weg nach Bardonècchia an der italienisch-französischen Grenze. Wie erhofft, finden wir dort eine kleine Pension mit angeschlossenem Restaurant, wo wir zu einem erschwinglichen Preis unterkommen. Da wir hungrig sind, haben wir natürlich Halbpension genommen, schließlich müssen wir eh' noch was essen. |
| Mittwoch, 30. Oktober |
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Nachdem nun also zweifelsfrei feststeht, dass wir nicht durch den Tunnel
fahren können, müssen wir nur wenige hundert Meter vor dem Col
de Parpaillon umdrehen und den geordneten Rückzug antreten.
Somit bleibt auch der Col de Parpaillon mit seinem Tunnel aus dem Jahre 1891 weiter auf unserem Wunschzettel stehen, wie schon die Assietta-Kammstrasse am Tag zuvor. |
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Zwei der Teilnehmer - ich werde mich hüten Namen zu nennen - liessen
es sich dann doch nicht nehmen, an der nächsten Tankstelle mit Waschplatz
zu halten und ihre GSn zu reinigen.
Die überwiegende Mehrheit hat jedoch auf den Waschgang verzichtet und ist so weitergefahren. Von einem Fahrer wird sogar berichtet, er habe nach dieser Schlammschlacht um jede Pfütze einen Bogen gemacht, nur um sein Motorrad in diesem Zustand nach Hause zu bringen ...
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| Nach einer etwas ausgiebigeren Rast fahren wir dann weiter Richtung Südwesten, vorbei am Lac der Serre-Poncon, dem flächenmässig grössten Stausee der Alpen, nicht ohne gelegentliche Off-Road-Abstecher, wie Lupus anschaulich unter Beweis stellt. |
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Am späten Nachmittag erreichen wir unser Quartier, die Domaine
de Fombeton. Da wir alle keine grosse Lust verspüren, die Zelte aufzuschlagen,
tritt Lupus in Verhandlungen mit der "Geschäftsleitung" und erreicht,
dass wir mit unseren Luftmatratzen und Schlafsäcken zwei im Rohbau
befindliche, künftige Gästezimmer zu einem Sonderpreis beziehen
können.
Volker und Wolfgang setzen sich dennoch vom "gemeinen Volk" ab und leisten sich jeder ein Doppelzimmer mit Dusche und WC!
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| Da wir uns diesmal in Fombeton telefonisch angemeldet hatten, kamen
wir auch in den Genuss, die Kochkünste von Uta bei einem familiären
Abendessen zu geniessen.
Wir haben an diesem Abend noch lange zusammen gesessen und uns nicht nur an dem vortrefflichen Rotwein, sondern auch an den Erlebnissen der vergangenen Tage gelabt. Und so ganz "nebenbei" schmiedete Lupus zusammen mit Ortskundigen schon wieder die Pläne für den kommenden Tag, eigentlich den letzten vor unserer, auf 2 Tage angelegten Heimfahrt. |
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| Donnerstag, 31. Oktober |
Ende Oktober in Sisteron |
Nach einer kühlen Nacht erwachen die meisten von uns wohl ausgeruht
und freuen sich schon auf das uns bereits von der Hinfahrt her bekannte
gute Frühstück. Aber auch auf die Strecken, die Lupus für
uns "ausbaldowert" hat.
Bevor es auf die Piste geht, fahren wir allerdings erstmal nach Sisteron zum Tanken und Einkaufen. Es ist wieder mal ein herrlicher Tag mit bestem Wetter und es ist schon toll, am letzten Tag im Oktober die Blumen in Sisteron noch in voller Blüte zu sehen |
| Ziel der heutigen "Tagesexkursion" wird das Gebiet nordöstlich
von Sisteron sein. Ein etwas genauerer Blick auf die Michelin-Karte Nr.
254 lässt erahnen, dass sich dort der eine oder andere Leckebissen
für uns versteckt. Zusammen mit den Insiderinformationen die Lupus
erhalten hat, dürfte auch dieser Tag ein Hochgenuss werden.
So folgen wir von Sisteron aus der D3, die uns über St. Geniez und Authon zum Col de Font-Belle (1304) führt. Von dort geht es weiter in südlicher Richtung bis Thoard, dem Ausgangspunkt für den Aufstieg zum Col de la Croix (1281). |
Nördlich von Thoard |
Auf geht's zum Col de la Croix (1281) |
Die Piste hinauf zum Col de la Croix wurde uns als nicht so ganz einfach
beschrieben. Besondere Schwierigkeiten bestehen beim Anstieg durch das
grobe und lose Geröll. Im weiteren Verlauf führt der Weg durch
einen Laubwald, der im Herbst besondere Gefahren birgt: durch das herabgefallene
Laub werden die auf dem Weg liegenden etwa handballgrossen Steine komplett
verdeckt und man läuft Gefahr, solch ein Hindernis nicht rechtzeitig
zu erkennen und zu stürzen, so die Warnung eines erfahrenen Insiders.
Mit der nötigen Vorsicht gehen wir nun also den Col de la Croix an. Der Einstieg in die Piste bei Thoard lässt schon erahnen, was auf uns zu kommt. Die Auffahrt ist dermassen steil, dass wir nach einem kurzen Stopp ohne gegenseitige Hilfe durch Schieben auf dem Geröll nicht wieder anfahren können! |
| Wie wir bald feststellen müssen, hat es die Strecke wirklich in
sich. Der Weg ist über und über mit losem Geröll übersät,
so dass volle Konzentration angesagt ist. Jeder hat jetzt mit sich selbst
zu tun, es heisst nun locker und entspannt in den Rasten zu stehen und
die GSn sich mit dem nötigen Gas durch den losen Untergrund baggern
zu lassen. Hier werden die 250 kg erstmals zu einer richtig schweisstreibenden
Angelegenheit. An ein Anhalten ist auf dieser Strecke wegen der Steigung
und des groben Schotters nicht zu denken und so graben wir uns hinauf bis
an die Stelle, wo der Weg in den besagten Laubwald mündet.
Oben angekommen, fehlt Lupus mit seinem Endurogespann. Als wir unsere Motoren abstellen, hören wir ihn weiter unten mit seinem Gespann den Schotter umgraben. Allem Anschein nach hat er sich festgefahren, denn das Geräusch kommt unverändert von der selben Stelle. So machen sich Volker und Wolfgang auf den Weg, Lupus zu helfen. |
Lupus hat sich anscheinend festgefahren |
Verschnaufen ist angesagt |
Wenige Minuten später kommt Lupus mit seinem Gespann ebenfalls
oben an. Er hatte sich im groben Geröll eingegraben, aber durch die
tatkräftige Schiebehilfe von Volker und Wolfgang hat er es dann doch
geschafft. Der Hinterreifen hat bei dieser Aktion allerdings arg gelitten,
wie die, durch das Geröll verursachten, tiefen Risse deutlich zeigten.
Bevor wir uns auf die Weiterfahrt durch den Laubwald mit seinen tückischen Felsbrocken machen ist aber erst einmal eine Verschnaufpause angesagt. |
| Die Fahrt durch das tiefe Laub mit den verdeckten handballgrossen Steinen
verläuft für uns wider Erwarten weitestgehend problemlos. Nur
Lupus gerät mit dem Rad des Seitenwagens derart auf einen solchen
Stein, dass es den Seitenwagen soweit hochkatapultiert, dass er Mühe
hat, das Gespann auf dem Weg zu halten und nicht den Abhang hinunter zu
stürzen.
So sind wir froh, dann doch alle heil auf dem Col de la Croix angekommen zu sein. Diese "Bergprüfung" liegt auch hinter uns. Für mich persönlich war es die fahrerisch schwierigste Strecke der gesamten Tour überhaupt. |
Auch diese "Bergprüfung" liegt hinter uns |
Guten Appetit! |
Der Abstieg vom Col de la Croix nach La Robine verläuft problemlos,
nur stellen wir unten angekommen fest, dass wir Micha, der auf diese "Bergprüfung"
verzichtet hat, einen falschen Treffpunkt gennant haben. Ausserdem fällt
uns ein, dass er ja kein Handy mehr hat, das liegt irgendwo auf der LGKS.
Und eine Strassenkarte hat er auch nicht dabei! Verärgert stellen
wir fest, dass wir hier eigentlich alles, was man falsch machen kann, auch
falsch gemacht haben! Wir entschliessen uns, südlich von La Robine
an der Einmündung zur D900A zu warten. Bei jedem Motorengeräusch,
das dem einer R 1150 GS ähnelt, horchen wir hoffnungsvoll auf und
sinken wieder enttäuscht zusammen, wenn wieder ein LKW vorbeigebrummt
kommt. Aber unser Warten wird belohnt, nach ca. 15 Minuten erscheint Micha
und berichtet stolz von seiner neusten Errungenschaft, einer Strassenkarte,
die er an einer Tanke gekauft hat, um uns zu finden. Man kann ihn wirklich
überall aussetzen, er wird immer zurecht kommen, stellen wir einhellig
fest!
So suchen wir uns nun ein schönes Plätzchen für unsere Mittagspause, die wir dann etwas nördlich am Bett des Flüsschens Bès verbringen. Während Lupus genüsslich in seinem Seitenwagen "hängt" und eine Fischkonserve verzehrt ... |
| ... erkundet der islanderfahrene Wolfgang schon mal eine Furt
durch den Fluss und beweist gleichzeitig, dass seine Stiefel doch nicht
mehr ganz wasserdicht sind.
Da Micha lautstark gegen eine Flussdurchquerung protestiert - der Schlamm
vom Col de Parpaillon an seinem Motorrad könnte ja in Mitleidenschaft
gezogen werden - beugen wir uns seinem Protest und lassen diesen Plan,
der eh' nicht ganz Ernst gemeint war, fallen.
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Wolfgang beim Kneippen, er hat nur vergessen, die Stiefel auszuziehen! |
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Nachdem wir uns gestärkt haben, fahren wir auf der D900A weiter
flussaufwärts, biegen 3 km hinter Barles auf die D7 Richtung Auzet
ab und fahren bis Seyne, wo wir auf die D900 stossen.
Wir geniessen den Asphalt unter den Reifen und die phantastischen Ausblicke, die uns diese Landschaft beschert nund fiebern dennoch schon der nächsten Schotterstrecke entgegen. Diese erreichen wir schon bald, nach dem wir von der D900 bei Selonnet auf die D1 und dort nach ca. 3 km wieder links abgebogen sind. |
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| Hier können wir unsere Kühe mal wieder richtig über den Schotter fliegen lassen. Der Untergrund ist fest und die Gesteinssplitter, die den Weg bedecken, sind rauh und kantig, so dass die Reifen guten Grip haben. Das wird von uns natürlich auch weidlich ausgenutzt, dennoch verschliessen wir unsere Blicke nicht vor der wunderschönen Landschaft, die sich unseren Augen darbietet. |
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Was wir aber auch erblicken, und das gilt für die ganze Gegend,
sind alte Autowracks, die zum Teil künstlerisch arrangiert auf irgendwelchen
abseits gelegenen Grundstücken vor sich hin gammeln oder eben in der
freien Natur fern ab jeglicher Bebauung vor sich hin rosten, wie Michas
Schnappschuss beweist.
Aber das französische "Laissez faire" hat auch seine guten Seiten, so mancher Spass wäre uns sicher sonst nicht vegönnt, wie Lupus gekonnt unter Beweis stellt. |
| Die von uns benutzte geschotterte Querverbindung endet direkt wieder auf der D1, der wir dann nach einem Einkaufsstopp in Turriers bis 2 km hinter Clamensane folgen, wo wir Richtung Valavoire abbiegen. Bei Valavoire beginnt eine geschotterte Strecke, die durch eine sanfte Hügellandschaft führt, die immer wieder von kleinen Gehölzen aufgelockert wird. Diese scheinen auch die Wildschweine zu mögen, denn wir fahren quer durch ein Jagdgebiet, in dem just an diesem Tag auf sie gejagt wird, wie die überall anzutreffenden Jäger bestätigen. Dennoch werden wir von allen freudig winkend gegrüsst, auch Frauen und Kinder sind dabei - wie anders ist das doch in Deutschland! |
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Ihr fragt noch, wie dieser Tag war? |
Auch für uns heisst es nun "Jagd vorbei", es ist Zeit, den Rückweg
nach Fombeton anzutreten, wo bald schon das Abendessen auf uns wartet.
In der Nähe von Authon treffen wir wieder auf die D3, wo wir heute Morgen schon vorbei gekommen sind. Hier schliesst sich also der Kreis für den heutigen Tag. Wir sind ganz sicher, dass es in dieser Gegend noch viel mehr reiz- und anspruchsvolle Strecken gibt, die nur darauf warten, von uns entdeckt zu werden. In Fombeton angekommen, sitzen wir noch lange zusammen und lassen den Tag bei Lammkoteletts vom Grill und einem guten Gläschen "Roten" noch einmal Revue passieren, bevor wir rechtschaffen müde auf unsere mehr oder weniger komfortablen Lager sinken. |
| Freitag, 1. November |
| Heute heisst es Abschied nehmen von der Domaine de Fombeton. Unser
spätherbstlicher Motorradausflug geht nun dem Ende zu. Während
Lupus, Micha, Wolfgang und ich noch eine Übernachtung in Pontarlier
eingeplant haben, will Volker in einem Rutsch nach Hause fahren, frei nach
dem Motto: "Und ewig lockt das Weib". ;-)
Als wir Fombeton verlassen, ist Volker schon unterwegs. Leider geht es Micha heute nicht so gut, er hat Schüttelfrost und fühlt sich hundeelend, irgendetwas steckt ihm in den Knochen, wie er sagt. Wir ändern daher unsere geplante Fahrtroute, um so schnell wie möglich nach Pontarlier zu kommen - immer darauf bedacht, Micha nicht zu überfordern und notfalls auch schon früher woanders Quartier zu machen. Um es vorwegzunehmen, Micha hat tapfer durchgehalten, wenngleich es wohl bis an die Grenze seiner Belastbarkeit ging. In der Jugendherberge angekommen, bestellen wir sofort einen Arzt, die sich dann als Ärztin entpuppt und die Micha mit Antibiotika behandelt und auch mit Tabletten für die nächsten Tage versorgt. Als ich Micha dann noch eine Tasse Tee organisiere, schläft er bis zum nächsten Morgen durch und fühlt sich danach auch deutlich besser. |
Da die Jugendherberge noch geschlossen hat, kochen wir draussen |
| Samstag, 2. November |
Zurück bei Micha und Wolfgang |
Wie wir schon in der Nacht gehört haben, regnet es seit einigen
Stunden hier in Pontarlier. So beladen wir im Laufschritt unsere Motorräder
und nehmen dann noch schnell das spartanische Frühstück in der
Juhe ein. Heute morgen scheint dort auch alles schiefzugehen, der Bäcker
liefert die Baguettes verspätet und schliesslich gibt auch noch die
Kaffeemaschine ihren Geist auf. Aber bei dem bescheidenen Frühstück
kann uns das auch nicht mehr erschüttern.
So machen wir uns - wasserdicht verpackt - bald auf unsere letzte Etappe, den Heimweg nach Heilbronn bzw. Potzbach. Wegen des Wetters wählen wir den schnellsten Weg und das bedeutet Schnellstrassen bzw. Autobahnen. Micha ist soweit wieder hergestellt, dass er die heutige Schlussrunde auch zu überstehen glaubt. Gegen 16 Uhr treffen wir nach ca. 440 km Regenfahrt wohlbehalten bei
Micha ein. Hier endet für Micha und Wolfgang die Fahrt, wohingegen
ich nach einer Übernachtung dann am Sonntag noch gut 400 km bis nach
Hause zu fahren habe.
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| Ende Oktober noch in die französischen Seealpen und die Ligurische Grenzkammstrasse (LGKS) fahren? Diese Frage kann ich jetzt nach dieser überaus gelungenen Motorradreise eindeutig bejahen. Alles hat zusammen gepasst. DasWetter war bombastisch, die ausgewählten Strecken atemberaubend schön und was bei einem Unternehmen dieser Art ganz wichtig ist: wir haben alle gut zueinander gepasst! |